SI Europa verleiht Friedenspreis an Silvana Arbia in Berlin


Berlin, 14. Juli 2013 (Kathy Kaaf)

Mit dem Soroptimist Friedenspreis ehrt Soroptimist International (SI) Europa Personen oder Organisationen, die sich in außergewöhnlicher Weise um die Förderung des Friedens verdient gemacht haben. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an die italienische Richterin Silvana Arbia, die bis vor kurzem Registrarin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag war.

 

Fast ein Jahrzehnt ihres Lebens hat Silvana Arbia der Wiederherstellung der Gerechtigkeit in Ruanda gewidmet: von 1999 bis 2008 als führende Prozessanwältin und später als Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs der Vereinten Nationen für Ruanda (ICTR). Silvana Arbia wird die mit

20.000 Euro dotierte Auszeichnung am Sonntag, 14. Juli, beim Europakongress von Soroptimist International in Berlin in Anwesenheit von fast 2.000 internationalen Entscheiderinnen erhalten.

 

Silvana Arbia hat entscheidend dazu beigetragen, den Geschichten der Menschen in Ruanda Gehör zu verschaffen und die Verantwortlichen von Gräueltaten wie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Vergewaltigung als Kriegswaffe zu verurteilen. Arbia leitete ein Anklageteam, welches zwölf Verurteilungen erwirkte sowie 22 Ermittlungsverfahren abschloss. Diese beinhalten so umfangreiche Verfahren wie den Butare-Fall mit sechs Anklagen wegen Völkermordes und Vergewaltigung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dazu zählen das Verfahren gegen den ehemaligen Minister für Familie und Frauen sowie der Seromba?Fall, in dem erstmals ein katholischer Priester wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt und verurteilt wurde. Wie Martin Luther King Jr. es einmal ausdrückte: „Menschlicher Fortschritt passiert weder automatisch noch ist er unvermeidlich ... Jeder Schritt hin zum Ziel der Gerechtigkeit fordert Opfer, Leiden und Kampf- unermüdliche Anstrengungen und leidenschaftliches Eintreten von engagierten Einzelnen.“

 

„Die Frauen in Ruanda waren die treibende Kraft des Wandels, nicht nur beim Wiederaufbau ihres Landes, sondern auch bei der Schaffung des Friedens“, sagte Friedenspreis-Juryvorsitzende Ulla Madsen, die am 14. Juli die Ämter von SI-Europapräsidentin Kathy Kaaf übernimmt. „Seit 1993 war Soroptimist International Europa mit seinen 35.000 Mitgliedern äußerst aktiv in Ruanda. Sie wurden Zeugen der Not, die so viele ruandische Frauen zu ertragen hatten, als sie das Leben nach dem Völkermord wieder aufbauten. Unsere Clubs in Kigali, die von den Soroptimisten in San Marino unterstützt werden, haben unermüdlich daran gearbeitet, Witwen zu unterstützen und eine bessere Zukunft für die Kinder durch Bildung und Ausbildung zu erreichen. Wir haben den berühmten Ruanda Friedensmarathons ins Leben gerufen, der in Kigali stattfindet und das Land wieder stolz macht.“ Ulla Madsen: „Silvana Arbia hat den Wiederaufbau auf großartige Weise möglich gemacht. Ihr Mut und ihr hartnäckiges Streben nach Wahrheit waren Motor und Inspiration für die Genesung der Bevölkerung und das Engagement für eine bessere Zukunft. Wir freuen uns, diesen Preis an eine so inspirierende und bewundernswerte Frau zu verleihen, die sich leidenschaftlich für die Gerechtigkeit einsetzt.“

 

Jurymitglieder des Soroptimist Friedenspreises 2013 waren:

- Bolette Christensen, CEO Child Foundation, Dänemark

- Francoise Ferey, Vertreterin von Soroptimist International Europa  beim

  Europarat in Straßburg

- Trine Jensen, stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes Danish United

  Nations Association

- Mimi Jakobsen, Generalsekretärin Save the Children Dänemark

- Ulla Madsen, President Elect Soroptimist International Europa,

  Juryvorsitzende 2013

 

 

Silvana Arbia, wurde 1952 in Italien geboren und ist die ehemalige Registrarin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Sie ist die Autorin des mit dem Levi-­?Award ausgezeichneten Buches über ihre Arbeit in Ruanda „Während die Welt zuschaute“. Arbia hält Vorträge, lehrt zum Thema Menschenrechte und vertritt das italienische Justizministerium auf Seminaren und Konferenzen zu den Themen Menschenhandel, Opfer von Straftaten und Menschenrechtsverletzungen. 

 

Soroptimist International (SI) ist eine weltweite Serviceorganisation berufstätiger Frauen. Als globales Netzwerk engagiert sich SI für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen, um sie zu befähigen als Entscheiderinnen auf allen Ebenen der Gesellschaft zu handeln.

SI wurde 1921 in Kalifornien, USA, gegründet. Den ersten europäischen Club initiierte die Gesichtschirurgin Dr. Suzanne Noël 1924 in Paris. Die Chirurgin Dr. Edith Peritz gründete den ersten deutschen Club 1930 in Berlin. Heute hat Soroptimist International weltweit rund 85.000 Mitglieder in 128 Ländern, Soroptimist International Europa hat 35.000 Mitglieder in 59 Ländern.

 

Soroptimist International Europa hält einen allgemeinen beratenden Status beim       UN-­ Wirtschafts-­ und Sozialrat sowie partizipativen Status beim Europarat und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

 

Der Soroptimist Friedenspreis wird alle zwei Jahre verliehen und ehrt Personen oder Organisationen für außergewöhnliche Leistungen zur Förderung des Friedens. Bisherige Preisträger sind Silvia Borren, ehemaliger Geschäftsführerin von Oxfam, Carla del Ponte, ehemalige Chefanklägerin des UN Internationalen Strafgerichtshofs, Vera Bohle, Beraterin am Genfer Zentrum für humanitäre Minenräumung und Valdete Idrizi, Friedensaktivistin aus dem Kosovo.



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